Urheberrecht? Was interessiert mich das?

Sie meinen Sie sind von der Urheberrechtsdebatte nicht betroffen? Sie laden ohnehin nichts aus dem Internet herunter – bzw. kaufen alle Musikstücke, Bücher oder Filme? Nun – jeder ist von den Maßnahmen die die Musikindustrie bzw. Verwertungsgesellschaften fordern betroffen.

Three Strike Modell (Internet Sperren)

Nun stellen Sie sich vor, sie wohnen in Frankreich – Sie haben eventuell einen Sohn oder eine Tochter und kommen nach Hause – und finden eine Mahnung vor, weil eines Ihrer Kinder vielleicht irgendwo illegal Musik aus dem Internet geladen hat. Nach ein paar Wochen passiert das wieder. Vielleicht weil Ihr Access Point nicht ordentlich geschützt war, und jemand aus der Nachbarschaft Ihr Internet verwendet hat. Oder Sie haben Besuch gehabt – und jemand hat sich ein YouTube Video angesehen, das eigentlich dort nicht hätte sein dürfen. Und ein paar Wochen später nochmals. Die ersten beiden Male gab es nur eine Verwarnung. Beim dritten mal aber wird der Internet Zugang abgedreht. Stellen Sie sich vor, sie benötigen den Internet Zugang auch geschäftlich, was diese Maßnahme für Sie bedeuten würde. Diese Form der Internet Sperren nennt man “Tree Strike Modell” – und sie sind nicht nur in Frankreich – sondern auch in Neuseeland, Südkorea und Taiwan bereits umgesetzt.

Strafrechtliche Tatbestände

Stellen Sie sich vor, sie wohnen in Japan. In Japan sind illegale Downloads kein privatrechtliches Vergehen wie in Österreich – sondern sie sind strafrechtliche Tatbestände. Daher: Der Kläger ist keine Person oder Unternehmen – sondern das Vergehen wird vom Staatsanwalt verfolgt. Und die Strafen sind drakonisch. bis zu 20.000 EUR oder zwei Jahre Gefängnis.

Totalüberwachung des Internets

Um etwas bestrafen zu können, muss man erst herausfinden, dass es passiert. Und was wäre einfacher als die Internet Provider zu verpflichten – solche Verstöße anzeigen zu müssen. ACTA ging schon ein wenig in diese Richtung ohne es konkret auszusprechen – man wollte Internet Provider für – von Ihren Benutzern verursachte Schäden haftbar machen. D.h. Der Internet Provider muss sozusagen illegale Downloads bezahlen. Nun wie kann er sich dieser Haftung entziehen – nun einzig und alleine, wenn er sicherstellt, dass seine Benutzer nichts illegales tun – und dazu muss er den gesamten Datenverkehr seiner Benutzer überwachen.

Leerkassettenvergütung

In Österreich gibt es das Recht auf Privatkopie. Jeder darf für seine privaten persönlichen Zwecke Kopien von urheberrechtlich geschützten Werken anfertigen. Um die Künstler für den Verdienstentgang zu entschädigen wurde eine Vergütung auf Leerkassetten eingeführt (Audio und Videokassetten) später wurden auch DVD und CD Rohlinge hier hinzugenommen. Mittlerweile werden Werke kaum noch auf Medien kopiert. Daher sucht man nach Alternativen  für den Verdienstentgang. Mittlerweile fordern die Verwertungsgesellschaften Abgaben auf alle Geräte die Datenspeicher enthalten (also Computer, Festplatten, Flash Speicher Karten, Fotoapparate, SkyDrive oder Dropbox etc.). Andere Politiker denken hier an die Besteuerung von Internet Zugängen. D.h. die Verwertungsgesellschaften würden je nach Bandbreite einen Obolus auf Internet Zugänge einheben.

Microsoft ist die spannendste Firma in der Technologiebranche?

Zu diesem Schluss kommt Adrian Covert – ein Autor des Online Journals Gizmodo. Wow. Das hätte man sich vor ein paar Monaten noch nicht träumen lassen. Da wurde Microsoft noch totgesagt. Nunja totgesagte leben ja bekanntlich länger.

Was bringt Hr. Covert zu dieser Meinung? Nun einfach alles was derzeit passiert. Es scheint erstmals seit langer Zeit alles zusammenzupassen:

  • Windows 8
    Das neue Metro Userinterface ist erfrischend neu, flott, flüssig, intuitiv
  • XBOX 360 + XBOX Live
    Integriert sich immer mehr nicht nur zur Spielekonsole, sondern auch zum Media Hub im Wohnzimmer. Die neue Benutzeroberfläche hat auch Ihren Weg auf die XBOX gefunden
  • Windows Phone 8
    basiert auf dem Windows 8 Kern – und ist daher im Grunde ein Windows RT (ARM Prozessor Version von Windows) auf einem Mobiltelefon. Daher können Anwendungen die für Windows geschreiben wurden, im Grunde sehr einfach auf Windows Phone laufen.  Windows Phone sieht vom Benutzerinterface aus wie Windows 8 und die XBOX.
  • SmartGlass
    die Smartphones oder Tablets in einen weiteren Bildschirm für den Fernseher oder eine Fernbedienung für die XBOX  verwandelt. SmartGlass wird neben Windows + Windows Phone auch Android und iOS (iPhone + iPad) unterstützen.
  • Surface
    Die neue innovative Hardware – die Windows 8 perfekt unterstützt.
  • SkyDrive
    Das Cloud Service, dass alle Daten und Einstellungen über alle Geräte verteilt zentral verwaltet.

Erstmalig seit langer Zeit hat man wieder das Gefühl nicht eine Reihe von guten Einzelteilen zu bekommen, sondern ein System das wirklich integriert ist, und wo die Summe der Teile mehr ergeben als die Einzelteile.

Es sind auf jeden Fall sehr spannende Zeiten.

Artikel auf Gizmodo.com (Englisch)

Alan Touring – ein Vater des Computers

Heute wäre Alan Turings hundertster Geburtstag. Diesem Anlass spendiert Google sogar einen Doodle. Wer war Alan Turing? Er wurde am 23. Juni 1912 in London geboren, war als Kind eher ein Einzelgänger, und tüftelte lieber alleine als mit gleichaltrigen zu spielen. Als 24 jähriger erfand er das Konzept der Touring Maschine das mit 3 Operationen nämlich lesen, schreiben und den Lesekopfes mathematische Probleme lösen konnte – also das Konzept eines Computers.

Bekannt wurde er aber als Codeknacker der Verschlüsselungsmaschine der Deutschen Enigma. Enigma galt als Unknackbar, denn mit mehr als 200 Trilliarden Verschlüsselungsmöglichkeiten konnte niemand zufällig die Codes entschlüsseln. Mit dem heute als “Dictionary Attack” bekannten Methode suchte Touring nach bekannten Begriffen in den Botschaften (wie etwa “Heil Hitler” das in allen Botschaften vorkam und konnte so mit dem Großrechner “Collosus” der Engländer die Funktion der Enigma knacken. So konnten Befehle des Hauptquartiers an die Truppen binnen Minuten entschlüsselt werden. Dies gilt als Kriegsentscheidend für den 2. Weltkrieg.

Weniger rühmlich war das Ende von Turing. Als bei ihm eingebrochen wurde, wurde er vom Täter als Homosexuell geoutet. Dies war in den 50er Jahren in England noch immer strafbar. Er musste sich einer Hormonbehandlung unterziehen, verlor seinen Job und litt so darunter, dass er sich dann vermutlich selbst mit einem vergifteten Apfel umbrachte. Im Jahre 2009 wurde Turing rehabilitiert – und der damalige Premierminister Gordon Brown entschuldigte sich dafür für sein Vaterland Touring behandelt hatte.

Alan Turing auf Wikipedia (en)

Alan Turing auf Wikipedia (de)

Microsoft Surface Just Made the MacBook Air and iPad Look Obsolete

Nach der heutigen Vorstellung der neuen Microsoft Surface Windows 8 Devices überschlagen sich die Medien mit fast durchwegs positiven Berichten. Einzig kritisiert wird, dass noch nicht bekannt ist, wann die Geräte verfügbar sein werden, und technische Daten wie Batterielaufzeit und Prozessorgeschwindigkeiten nicht angegeben wurden.

Die meisten Journalisten sind sich einig, dass es Zeit war, dass Microsoft selbst zeigt, wie man sich vernünftige Hardware für das eigene Betriebssystem vorstellt. Denn viel zu oft, wurde von den OEM Herstellern nur billige, halbherzig gebaute Hardware hergestellt. Die Meisten meinen, dass hier auch der Wettbewerb belebt werden wird, und die OEM’s nun zwangsläufig entweder innovativer werden müssen – oder aus dem Markt ausscheinden (wie z.B. heute schon LG angekündigt hat, keine Tablets mehr fertigen zu wollen).

Bericht auf Gizmodo.com

Microsoft Surface–nein, nicht die–die neue …

surfaceHeute Nacht fand in Los Angeles ein geheimnisvoller Event statt. Microsoft hatte die führenden Journalisten nach Los Angeles eingeladen –um eine wichtige Ankündigung zu machen. Man hat kein Thema verraten. Nicht einmal den genauen Ort hat man bekannt gegeben. Den haben die Journalisten erst kurz davor per E-Mail erfahren.

Die Bloggosphäre spielte Verrückt. Es gab viele Ideen, was Microsoft jetzt ankündigen würde. Von der Idee eines eigenen e-Book Readers gemeinsam mit Barnes & Nobles, über XBOX spezifische Dinge bis hin zu eigene Tablets reichten die Spekulationen.

Nun die letzte Spekulation war wohl am nächsten dran. Microsoft hat heute Nacht zwei Tablets mit dem Namen “Surface” vorgestellt. Die zwei Geräte sind beide 10,6 Zoll Tablets mit 16:9 Bilddiagonale und Full HD Bildschirmauflösung. Das eine Gerät wird von einem ARM Prozessor angetrieben – und läuft unter Windows RT – die zweite Variante wird von einem Intel Core i angetrieben und läuft dementsprechend unter Windows 8. Es wurden dabei auch zwei Varianten von Covers vorgestellt – die auch als Tastatur dienen können. Die Gehäuse sind aus Magnesiumlegierungen mit einer speziellen “VaporMg” genannten Oberfläche. Zudem haben die Geräte auch einen integrierten Standfuß auf dem die Geräte aufgestellt werden können, um sie wie ein Notebook zu bedienen.

Die Spezifikationen der Geräte lesen sich sehr nett – und sind sicher eher im oberen Bereich angesiedelt.Über Kosten hat man derzeit noch keine Ankündigungen gemacht.

Ich persönlich bin recht froh, dass ich mit der Anschaffung eines neuen Gerätes noch zugewartet habe. Dieses Gerät – in der Intel Ausführung hat wirklich das Zeug mein einziges Gerät zu sein (neben meinem Phone).

Es gibt auch sehr viele Spekulationen über darüber was die OEM’s die ebenfalls Windows Geräte herstellen zum Markteintritt von Microsoft in das PC Hersteller Geschäft sagen werden. Ich denke es gibt sicher Platz für andere Hersteller. Aber viele der Hersteller waren in letzter Zeit nicht extrem innovativ. Standard Intel Chipsets oder gar Motherboards in billigen Plastikgehäusen verbaut waren oft zu sehen. Ich denke es ist hier notwendig zu zeigen, wie ein toller PC aussehen kann und der Wettbewerb wird auch die Hardware Landschaft beleben – und das wird allen Konsumenten zugute kommen. Es kann ja nicht wirklich sein, dass man sich ein MacBook Air kaufen muss und darauf Windows instalieren um zu guter Hardware zu kommen Zwinkerndes Smiley

Bericht auf Heise.de

ditech zieht bei Thalia ein

ditech hat unlängst einen neuen Store eröffnet. Das ist nicht ungewöhnlich. Auch nicht, dass er auf der Mariahilferstraße liegt. Ungewöhnlich ist aber, dass ditech quasi als Untermieter in einer Thalia Buchhandelsfiliale untergebracht ist.

ditech spricht darüber, dass man damit vorwiegend weibliche Kundschaft gewinnen möchte – da Buchgeschäfte offensichtlich mehrheitlich von weiblichem Klientel besucht werden.

Spannend ist aber, warum gerade Thalia sich einen Computerhändler ins Haus holt. Die Antwort liegt darin, dass Buchhandel heutzutage etwas ist, was nicht mehr unbedingt gebraucht wird. Es gibt zwei Trends. Der eine Trend ist Bücher übers Internet zu bestellen – z.b. über Amazon. Der zweite Trend ist Bücher in elektronischer Form zu lesen (s.g. E-Books) auch hier ist wiederum Amazon der Markführer. Medienberichten zufolge steuert Amazon darauf zu 50% des Buchmarktes in den USA bis ende 2012 zu kontrollieren.

Ich war unlängst in Seattle in einem großen Barnes & Nobles Buchgeschäft (in etwa vergleichbar mit Thalia bei uns). Was mir sofort aufgefallen ist – die Verkaufsfläche für Bücher war wesentlich kleiner geworden. Dafür waren neue Artikel dazugekommen. Der Bereich für Schreibwaren war um einiges größer, und es gab nun auch Spielzeuge im Buchgeschäft zu erwerben.

Warum ist dem so? Nun eine große Verkaufsfläche kostet Geld – wenn diese Verkaufsfläche noch dazu so prominent ist, wie auf der Mariahilferstraße – dann kostet sie viel Geld. Dieses Geld muss erst einmal verdient werden. Teure Verkaufsflächen und sinkende Umsätze im Buchhandel verlangen neue Ideen um Kundschaft ins Geschäft zu bringen. Andererseits wird ein Teil der teuren Kosten der Verkaufsfläche an den Untermieter ditech weitergegeben – so senkt Thalia die Kosten für den Standort.

Dies zeigt aus meiner Sicht sehr schön auf, wie der Buchhandel immer mehr unter Druck gerät. Und der Trend zu e-Books wird das verschwinden der traditionellen Buchhändler nur noch beschleunigen. Einzig die Buchpreisbindung auf e-Books die es anachronistischer weise noch in Österreich gibt, hilft diesen Trend noch zu verlangsamen. 

Mir ist alles Wurscht?!

Diesen Eindruck gewinnt man derzeit, wenn man sich ansieht, welche Gesetze in den letzten Monaten und Jahren verabschiedet wurden, und die Reaktion des Volkes darauf. Im §1 der Österreichischen Bundesverfassung heißt es:

„Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus.“

Wenn man sich die Gesetze der letzten Zeit ansieht, dann muss man aufgrund dieses Absatzes den Eindruck gewinnen, dass die Österreicher gerne überwacht werden wollen. Dass wir gerne alle von unseren eigenen Politikern bzw. unserer Exekutive als Gauner, Betrüger und Terroristen verdächtigt werden.

In Österreich haben wir per 1.4.2012 die vollständige Überwachung des Internet Verkehrs eingeführt. Solche Maßnahmen kennt man bisher nur von totalitären Regimen. Ebenso wurden partiell die Richter ausgeschaltet, wenn es darum geht, solche Überwachungen anzuordnen. Die Exekutive kann also die Überwachung im Alleingang durchführen. Auch solches kennt man nur von Staaten, bei denen das Recht nicht vom Volk ausgeht. In England gibt es jetzt einen Gesetzesvorschlag der die Überwachung des Volkes nun auch in die analoge Welt ausdehnt. In U.K. will man nun auch die Versendung von Briefen überwachen. So etwas ist vielleicht in Nordkorea üblich – aber ist das einer Europäischen Demokratie würdig?

Ja, ist es – wenn es das Volk so haben will. Die Politiker die solche Gesetze beschließen sind auch in England vom Volk gewählt. In Österreich umso mehr. Ich nehme daher an, dass die Österreicher gerne überwacht werden – dass sie das neue Sicherheitspolizeigesetz für gut heißen. Ich nehme an, dass wir Österreicher die Vorratsdatenspeicherung und damit die Überwachung des Telekommunikationsverkehrs wie er in Nordkorea sicherlich gehandhabt wird, auch in Österreich haben wollen. Denn wenn dem nicht so wäre, müssen wir bereits tägliche Proteste auf der Straße haben. Wir wollen lieber in einem Regime leben dass sich wie die DDR anfühlt?

Oder ist es eher so, dass – solange es einen selber nicht trifft – es allen eigentlich egal ist. Nur nicht anstreifen – nur nicht aufregen. Solle es doch die anderen machen.

Dazu möchte ich noch ein Zitat bringen:

Wer in der Demokratie schläft – wird in der Diktatur aufwachen.

Weiterführende Informationen:

ClubComputer Clubabend #Urheberrecht mit Christof Straub (Papermoon) am Do 28.6.

Die Künstler sagen: Es ist in der heutigen Zeit nicht mehr machbar dass gute Künstler von ihrem Schaffen leben. Die Gratiskultur bringt uns um.

Die User sagen: Wir sind bereit zu zahlen, aber in vielen Bereichen ist das gekaufte Produkt schlechter als das im Internet geladene. Es wird einem schwer gemacht überhaupt legal zu kaufen. Und generell werden wir immer als böse Raubkopierer abgestempelt und von den Rechteverwertern abgezockt.

Eines ist klar, wir (das Publikum) wollen Künstler – wir möchten gute Musik hören, wir möchten am Abend einen entspannenden Film im Fernsehen schauen – oder am Wochenende ins Kino gehen. Künstler müssen also auch von ihrem Beruf leben können. Wir Anwender wollen aber nicht ständig kriminalisiert werden – und wir möchten wenn wir schon Werke kaufen – auch nicht in deren Nutzung eingeschränkt werden.

Wir freuen uns, Euch die Möglichkeit bieten zu können dieses Spannungsfeld mit einem österreichischen Künstler – nämlich Christof Straub von Papermoon diskutieren zu können.

Was: Clubabend / Diskussion mit Christof Straub von Papermoon – einem der Initiatoren der Initiative Kunst hat Recht
Wann: Donnerstag den 28. Juni – ab 18:00
Wo: in unserem Clublokal Junior’s Nepomuk in Simmering

Weiterführende Informationen und Anmeldung:
http://www.clubcomputer.at/forum/calendar.php?do=getinfo&e=29&day=2012-6-28&c=1

Stammtisch Netzpolitik

Gestern hat der erste ClubComputer Stammtisch Netzpolitik stattgefunden. Wir wollen uns als ClubComputer in Zukunft mehr als Vertreter unserer Mitglieder den Auswirkungen der Digitalisierung unserer Gesellschaft widmen.

In letzter Zeit hat man das Gefühl, dass für Anwender immer mehr nachteilige Gesetze beschlossen oder Dinge beschlossen werden, die weil sie einfach machbar sind. Ähnliches wäre in der nicht digitalen Welt undenkbar.

Staatliche Überwachung

Könnten Sie sich vorstellen, dass sie auf Schritt und Tritt von einem Polizisten verfolgt werden, der immer mitschreibt, wann Sie mit wem reden. Dass ein Protokoll darüber geführt wird, an welchem Ort sie sich aufhalten? Dass Polizeibehörden jederzeit auf diese Informationen Zugriff haben – ohne, dass es einen konkreten Verdacht gibt. Sie denken dass so etwas nicht einmal in totalitären Regimen passiert? Sie irren. Genau das ist seit 1.4. in Österreich Gesetz und nennt sich Vorratsdatenspeicherung. Sie stört das nicht – weil Sie haben ja nichts zu verbergen? Nun stellen Sie sich vor – es wird eine Bank überfallen. Sie befinden sich zufällig in der Nähe der Bank – und die Polizei weiß das – weil Sie dort mit Ihrem Handy telefoniert werden. Sie werden nun alle Hände voll zu tun haben – zu beweisen, dass nicht Sie die Bank überfallen haben (im Normalfall sollte das umgekehrt sein – weil man Ihnen beweisen müsste, dass sie mit dem Überfall etwas zu tun haben). Oder nehmen wir an der Bankräuber hat einen Komplizen – und er ruft ihn mit seinem Handy an – Dummerweise verwählt er sich in seiner Aufregung – und vertauscht zwei Ziffern. Der Angerufene sind nun Sie. Wie erklären Sie nun der Polizei – dass Sie den Bankräuber nicht kennen – wo er doch mit Ihnen telefoniert hat. Gleiches trifft auch auf E-Mails zu – denn seit 1.4. wird in Österreich ja auch protokolliert – wer wem eine E-Mail sendet.

ClubComputer fordert daher:

  • Aufhebung der verdachtsunabhängigen Vorratsdatenspeicherung (nicht alle Österreicher unter Generalverdacht zu stellen)
  • Die Notwendigkeit einer richterlichen Anordnung um auf vorhandene Verbindungsdaten zugreifen zu dürfen (Gewaltentrennung)
  • Respekt vor der verfassungsmäßig geschützten Privatsphäre aller Österreicher
  • Respekt des Telekommunikationsgeheimnisses
  • Überwachung von Bürgern nur nach konkretem Tatverdacht

Urheberrecht

Künstler zu sein ist nicht unbedingt ein leichter Beruf. Wir wollen wenn wir am Abend heimkommen einen Film im Fernsehen ansehen und dabei entspannen – oder am Wochenende ins Kino gehen. Wir nutzen die Zeit die wir im Auto verbringen um Radio zu hören oder freuen uns darauf ein gutes Buch zu lesen. Das alles ist nur möglich – weil es Künstler gibt – die gute Musik produzieren, gute Schauspieler die in Filmen mitspielen, Autoren die Bücher schreiben, oder Maler oder auch Fotografen die tolle Bilder machen. Wir verstehen daher, dass Künstler für Ihre Arbeit auch einen fairen Lohn erhalten wollen – wie wir alle.

Was wir als Anwender allerdings nicht verstehen, ist dass man uns in letzter Zeit immer wieder versucht in ein kriminelles Eck zu drängen. Jeder Nutzer ist ein “Raub-“kopierer. Schon alleine dieses Wort ist falsch – ich habe noch nie einen “Raub-“kopierer gesehen – der einen Künstler mit einer Waffe bedroht hätte und ihm gewaltsam sein Werk entwendet hätte. Viele Konsumenten die immer legal Musik und Filme erworben haben – kommen sich ziemlich dumm vor – weil einem immer vorgehalten wird, dass ohnehin alles illegal aus dem Internet gesaugt wird. Manche Konsumenten empfinden die diversesten Kampagnen schon als “Publikumsbeschimpfung”.

Durch die “Revolution” am Mediensektor (Medien werden nicht mehr physisch produziert (Schalplatten, CD’s, DVD’s, Bücher) – hier spart man an Produktionskosten, es wird eine menge an Logistik eingespart – man muss nicht mehr mit LKW’s die Medien transportieren, es gibt keine Notwendigkeit für riesige Lager – und auch große Teure Geschäfte / Verkaufsflächen sind nicht mehr notwendig. Daher gibt es für viele Künstler auch nicht mehr wirklich die Notwendigkeit Leib und Seele an große Medienkonzerne  zu verkaufen. Die Medienkonzerne (s.g. Rechteinhaber) haben lange Zeit genau diese Aufgabe übernommen. Sie haben Medien produziert, für die Verteilung und Vertrieb gesorgt. Diese Rolle übernehmen nun andere Firmen – wie z.B. Amazon.com (für Bücher) oder Apple (für Musik). Die großen Medienkonzerne – die die Zeichen der Zeit verschlafen haben – versuchen nun mit allen ihnen zur Verfügung stehenden mitteln – alte und obsolete Geschäftsmodelle zu behüten. Über Lobbying bei Gesetzgebern versucht man daher eine Verschärfung des Urheberrechts durchzusetzen. Man versucht Internet Provider dazu zu zwingen – ihre eigenen Kunden auszuspionieren. Es gibt auch vielfach Versuche das in Österreich herrschende Recht auf Privatkopie abzuschaffen – und Urheberrechtsverletzungen als Strafrechtliche Delikte zu verankern.

Auf der anderen Seite gibt es die Verwertungsgesellschaften. Da in Österreich und anderen Staaten im Urheberrecht das Recht auf Privatkopie verankert ist – wurden die Verwertungsgesellschaften wie Literar-Mechan, Austria Mechana, VG-Rundfunk, etc. per Gesetz ermächtigt selbst Steuern einzuheben – und zwar auf Leermedien. Da früher fast ausschließlich Kassetten als Leermedien eingesetzt wurden – nennt sich diese Abgabe auch Leerkassettenvergütung. Diese Leerkassettenvergütung ersetzt den Verdienstentgang der Künstler der durch das private kopieren von Werken (z.B. Aufnahme aus dem Fernsehen oder Radio oder Kopie von Medien) entsteht. Da in der Heutigen Zeit immer weniger Leermedien zur Anwendung kommen – versucht man den Entgang der Einnahmen durch kreative Steuern auf andere Datenspeicher zu kompensieren.  Mittlerweile werden Abgaben auf Festplatten, Speicherkarten, USB-Sticks und auch auf ganze Geräte wie Drucker, PC’s, Handy’s eingehoben. Leerkassetten wurden früher fast ausschließlich zur Speicherung von Musik oder Videos verwendet. Es kann aber sein, dass auf Festplatten überhaupt keine Urhebergeschützten Werke gespeichert werden (ein geschäftlich genutztes Notebook z.B. oder auch eine Speicherkarte für den eigenen Fotoapparat). Trotzdem würden diese Geräte über die Leerkassettenvergütung abgabepflichtig.

ClubComputer fordert daher:

  • eine gerechte Entlohnung für die Künstler
  • ein Bekenntnis der Politik zu einem Zeitgemäßes Urheberrecht
  • die Einführung von für den Konsumenten bequemen und attraktiven Geschäftsmodellen
    (der legale Erwerb von Werken muss für den Konsumenten preislich attraktiv und bequem sein)
    Legal erworbene Werke sollen keine künstlichen Einschränkungen enthalten.
  • die Abschaffung der Buchpreisbindung auf elektronische Bücher
    Die Buchindustrie hält al der Buchpreisbindung auf elektronische Bücher fest. Die Preisvorteile von elektronischen Büchern, die durch den Wegfall des Drucks, Lagerung, Vertriebs entstehen werden nicht an den Konsumenten weitergegeben, was elektronische Bücher im deutschsprachigen Raum unattraktiv macht
  • die Entkriminalisierung der Anwender
    Anwender die Ihr Recht auf Privatkopie ausüben und Werke tauschen sollen nicht mit Strafen bedroht werden
  • Geschäftemacherei mit den Werken anderer soll bestraft werden
    Anbieter die geschützte Werke im Internet anbieten, um daraus Profite zu ziehen sind abzulehnen, und sollen auch bestraft werden (z.B. Videoportale die Werbefinanziert sind). Hier ziehen Personen große Profite aus der Arbeit anderer. Dies ist sowohl moralisch als auch rechtlich abzulehnen.
  • Keine Überwachung der Kommunikation von Anwendern
    Eine Überwachung des Internet Verkehrs der Anwender ist schon aus Demokratiepolitischen Bedenken abzulehnen.
    Bestrebungen Internet Provider zu “Hilfssheriffs” zu machen – die Ihre Kunden ausspionieren müssen – sind entschieden abzulehnen.
  • eine vernünftige Lösung für die Leerkassettenvergütung.
    die Umstellung der Leerkassettenvergütung auf Abgaben auf Radio- und Fernstehstationen – die die Werke in Verkehr bringen
    Eine Abgabe auf Festplatten ist vollkommen willkürlich – und nicht an den tatsächlichen Konsum gebunden. Jemand der eine große Festplatte besitzt muss nicht unbedingt auch große Mengen an Musik kopiert haben. Zusätzlich ergibt sich durch die Festplattenabgabe auch ein Nachteil für den Wirtschaftsstandort Österreich – da Österreichische Händler hier gegenüber ausländischen Anbietern klar benachteiligt werden.

 

Unser nächster Stammtisch findet am 2.7. statt.

ClubComputer.at Stammtisch Netzpolitik

In letzter Zeit gibt es immer wieder Diskussionen um Netzpolitische Fragen. Die Industrie hat eine sehr mächtige Lobby, die mit ausreichend finanzieller Unterstützung versucht die Gesetze in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Die Grundlegel einer Demokratie “alle Macht geht vom Volk aus” scheint in letzter Zeit immer mehr fraglich. Es gibt viele Beispiele dafür – dass derzeit das Pendel eher in die falsche Richtung ausschlägt. Die EU beschließt eine Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung, und alle Regierungen sind verpflichtet diese nun in den Mitgliedsstaaten umzusetzen. In Österreich gibt es eine (ohne finanzielle Mittel) organisierte Bürgerinitiative, die immerhin 106.067 Österreicherinnen und Österreicher unterschrieben haben (immerhin fast 2% der Wahlberechtigten Österreicher) – diese Bürgerinitiative wird im Parlament beinahe ignoriert. In Deutschland kippt das Höchstgericht das Gesetz – und die EU verdonnert Deutschland zu Strafzahlungen bis das Gesetz wieder implementiert ist.

Im Bereich des Datenschutzes gibt es nicht nur Probleme mit den großen Internet Anbietern wie Facebook oder Google. Viel größer scheinen die Probleme mit staatlichen Einrichtungen. Ein Staat dessen Institutionen nicht in der Lage sind auf die Ihnen anvertrauten Daten aufzupassen, versucht immer mehr Daten zu sammeln (z.B. das Innenministerium auf die Daten von Polizisten, oder die Tiroler Gebietskrankenkasse auf die Daten ihrer Versicherten) – versucht immer mehr Daten zu sammeln (Vorratsdatenspeicherung, Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) – bzw. Technologien zu implementieren, die die Gefahren für die Infrastrukturen dramatisch erhöhen (z.B. “intelligente” Stromzähler) – die nicht nur das Ausspionieren erleichtern, sondern auch hacking Angriffe auf einem neuen Niveau erlauben.

Auch das Gebiet des Urheberrechts bietet momentan viel Diskussionsstoff. Frau Bundesminister Schmied überlegt nun die bereits mehrmals von Österreichischen Gerichten gekippte Festplattenabgabe ins Urheberrechtsgesetz zu schreiben. Andere Politiker überlegen gleich eine Steuer auf Internet Anschlüsse. Wir verstehen die Forderung von Künstern nach einer gerechten Entlohung für Ihre Arbeit – allerding empfinden wir die Festplattenabgabe als Raubrittertum, denn die Verwertungsgesellschaften erheben nicht unerhebliche Beiträge auf Geräte die vielleicht gar nicht für die Speicherung urheberrechtlich geschützter Werke verwendet werden. Die Festplattenabgabe scheint daher genauso ungerecht wie das illegale Downloaden von urheberrechtlich geschützten Werken. Auch die Aufregung rund um ACTA hat gezeigt, dass große Angst besteht, dass durch Lobbying der Industrie Abkommen oder Gesetze geschaffen werden, die illegales Downloaden plötzlich vom Privatrecht ins Strafrecht zerrt. Und dass private Einrichtungen wie Internet Providern plötzlich die Aufgabe von Hilfssheriffs erledigen sollen. Eine Kombination aus ACTA und VDS scheint daher als besonders gefährlich in diesem Zusammenhang

Wir verstehen uns als ClubComputer.at als Interessensvertretung unserer Mitglieder. Wir möchten eine Plattform schaffen, wo wir aktuelle Entwicklungen zum Thema Netzpolitik diskutieren können.

  • Forum Recht & Netzplolitik
    Für alle die nicht in der Nähe von Wien wohnen, und die sich gerne einbringen möchten, stellen wir dieses Forum zur Verfügung. Wir berichten dort über aktuelle Entwicklungen und freuen uns über Beiträge zum Thema.
  • Stammtsich Netzpolitik
    Jeden ersten Montag im Monat treffen wir uns in unserem Clublokal in Wien Simmering in unserem Clublokal um am Stammtisch über aktuelle Entwicklungen zu diskutieren. Dort möchten wir auch gerne konkrete Aktivitäten festlegen. Was wir als Verein konkret tun können um die Interessen unserer Mitglieder besser zu vertreten.
    Zum Stammtsich sind nicht nur Mitglieder, sondern alle Interessenten herzlich willkommen!

Der nächste Stammtisch findet morgen Montag um 19:00 statt