Nokia Lumia 620 im Test

Nokia-Lumia-620-2Da wir als Microsoft Mitarbeiter erst mit Lumia 920 versorgt werden, wenn alle anderen ein solches Gerät haben (oder wenn es schon wieder vom Markt geht, weil es einen Nachfolger gibt)  – habe ich gestern beschlossen mir als Zwischenlösung ein Lumia 620 zuzulegen. Ich finde es einfach doof als letzter auf diesem Planeten mit einem Phone 7 durch die Welt zu laufen und noch dazu keine Navigationslösung am Handy zu haben – die ich am alten Windows Mobile hatte.

Die Entscheidung mir ein Lumia 620 zuzulegen scheint auf den ersten Blick ein wenig radikal. Ich war aber nicht bereit ohne Vertrag rund 570 EUR auszugeben, wenn ich in ein paar Wochen ohnehin das Gerät von der Firma (hoffentlich vielleicht doch irgendwann einmal) zur Verfügung gestellt bekomme.

Was spricht für das Lumia 620? – Vor allem der Preis. Das Gerät ist (ohne Vertragsbindung) um knapp über 200 EUR erhältlich. Es unterscheidet sich von den groben Funktionen natürlich kaum von anderen Windows Phones – wie denn auch? Es läuft ja das gleiche Betriebssystem darauf (Windows Phone 8). Der wichtigste Unterschied zum Flaggschiff 920 von Nokia ist vor allem die Größe. Das Lumia 620 verfügt nur über ein 3,8” Display – wogegen das 920er über ein 4,5” Display verfügt. Das 620er ist damit deutliche kleiner als seine großen Brüder. Ich habe mir das Gerät in schwarz gekauft. Das Gerät ist aber auch in einer reihe bunter und teilweise knalliger Farben erhältlich – was vor allem der jüngeren Generation gefallen könnte.

Wenn man das Gerät erhält, dann ist im Lieferumfang neben dem Gerät selbst auch ein USB Ladegerät (Stecker + USB Kabel), ein Kopfhörer, der Akku sowie diverseste Heftchen enthalten. Das Gerät ist in der typischen hübschen Nokia Schachtel verpackt, die sich seitlich wie eine Schublade öffnen lässt.

Auspacken
Wenn man das Gerät aus der Verpackung nimmt, ist es nochmals in einer Zellophan Hülle eingepackt damit ja keine unbeabsichtigten Kratzer auf dem Gehäuse entstehen. Das Gerät macht nachdem man es fertig ausgepackt hat einen sehr wertig verarbeiteten Eindruck – was für Geräte in seiner Preisklasse nicht unbedingt selbstverständlich ist. Der Gehäusedeckel sitzt perfekt – und man kann das Gerät bzw. den Deckel auch nicht verbiegen, o.ä.

Das Lumia 620 wird geöffnet indem man die Kamera / Blitz leicht drückt und der Deckel kann dann abgehoben werden. Unter dem Deckel findet man links den Einschub für die SIM Karte (MicroSIM) – diese kann ohne Hilfsmittel eingeschoben werden. Direkt oberhalb der SIM Karte befindet sich ein Slot für eine MicroSDHC karte (bis zu 64MB). Sobald man SIM und optional die MicroSD Karte eingelegt hat, kann der Akku eingesetzt werden und das Gerät wieder geschlossen werden. Die Speicherkarte ist auch notwendig, denn intern wurden dem Gerät nur 4GB spendiert, was sehr knapp bemessen ist. Hierbei unterscheidet sich das 620er vom großen Bruder in zwei Punkten: Das 920 kann nicht geöffnet werden (also der Akku ist damit nicht tauschbar) und das 920er verfügt über keinen Speicherkartenslot. (also schon zwei Pluspunkte für das 620er).

Display
Das DIsplay erscheint zwar von der 3,8” Spezifikation sehr klein ist aber real kaum von einem 4” Display zu unterscheiden. Wie vom 920er gewohnt ist das Display sehr hell und brillant und bietet einen schönen hohen Kontrast, der das Display auch im Freien (Sonne) gut ablesen lässt. Durch den kleinen Bildschirm ist das gesamte Gerät deutlich kleiner als die meisten anderen Smartphones und liegt  auch sehr gut in der Hand. Auch die größe könnte ein Faktor für die Kaufentscheidung sein – für diejenigen die nicht unbedingt immer ein riesengroßes Teil am Ohr halten möchte, wenn man telefoniert.

Kamera
Das einzige das beim 620er enttäuscht ist die Kamera. Beim 920er ist eine tolle Optik verbaut und durch die PureView Technologie kann man die Fotos des 920er wirklich mit Kompaktkameras vergleichen. Die Fotos vom 620er sind dagegen sehr enttäuschend, aber das bin ich von meinem alten Smartphone ja schon gewohnt und wenn ich Fotos machen möchte, verwende ich ohnehin meist die Spiegelreflexkamera. Also dieses Problem kann ich verschmerzen.

Software
Das Gerät wird rechts am mittleren Knopf eingeschaltet. Sobald es eingeschaltet wird – erscheint die “normale” WIndows Phone 8 Prozedur zum Setup des Betriebssystem – bei dem die diversesten Einstellungen wie Sprache, etc. eingestellt werden können.  Was für mich eine Kaufentscheidung für Nokia beeinflusst hat ist – dass von Nokia einiges an Software mitgeliefert wird, die nur auf dem Nokia verfügbar ist. Das für mich wichtigste ist die Navigationssoftware von Nokia (Here Drive+) – Nokia hat vor einiger Zeit ja den Kartenhersteller Navteq gekauft – und bietet bei all seinen Geräten kostenlos seine Navigationssoftware mit an. Das gesamte Kartenmaterial ist aus dem Internet ladbar (weltweit) und damit auch offline verfügbar (was für mich vor allem in den USA sehr wichtig ist – denn über Roaming Kartenmaterial aus dem Internet zu laden, macht keinen Spaß).

Fazit:
Ich finde das Gerät sehr gelungen. Die Größe ist eher eine Geschmacksfrage – aber das Lumia 620 bietet außer der Kamera alles was ein Smartphone bieten sollte – und der Preis um knapp über 200 EUR (ohne Bindung) ist sicher ein sehr gutes Argument für das Gerät, vor allem wenn man bedenkt, dass die Navigationssoftware gratis dabei ist (und die kostet durchaus um die 100EUR wenn man sie zusätzlich kauft – und das teilweise mit sehr beschränktem Kartenmaterial).

EU Studie: Online Piraterie schadet Musikabsatz nicht

Es gibt wieder eine Studie (diesmal von Institute for Prospect Technological Studies (IPTS) – das belegt, was vielfach behauptet wird: nämlich dass illegale Musikdownloads das Kaufverhalten von Usern nicht negativ beeinflussen. Im Gegenteil – Downloader kaufen sogar eher mehr Musik – und illegal geladene Musik wäre oft auch nicht gekauft worden, wenn sie nicht downloadbar gewesen wäre.

Die Autoren der Studie ziehen zwar keine politischen Schlüsse aus ihrer Studie – außer dass die Musikindustrie die illegale Downloads nicht überbewerten sollte – wir denken, dass die Studie wieder ein Puzzlestein in der Argumentation für eine pauschale Urheberrechtsabgabe sein könnte – die das tauschen von Musik im Internet legalisiert.

Bericht auf heise.de

Urheberrechtsenquete der Grünen im Parlament

säulenhalleIch durfte heute ClubComputer.at auf der Urheberrechtsenquete der Grünen im Parlament vertreten. Herzlichen Dank für die Einladung. Ich denke dass das Thema Urheberrecht derzeit sehr emotional diskutiert wird. Die Fronten sind verhärtet und es werden viele Argumente ins Feld geführt, die entweder von technischem Unwissen zeugen, oder auch einfach auf falschen Grundlagen basieren. Der heutige Tag – wenn auch das Format sehr sperrig war, hat Gelegenheit geboten die Standpunkte der verschiedenen Akteure besser kennen zu lernen und die Einladung der Grünen bat auch Gelegenheit, dass nicht wie im Dezember ausschließlich die Interessensvertreter der Content Industrie ihre Ideen einbringen konnten, sondern dass auch Vertreter der Anwender (Vibe.at, AKVorrat, Initiative für Netzfreiheit und eben auch ClubComputer ihre Standpunkte einbringen konnten.

Im Grunde genommen gibt es folgende Parteien in der Diskussion:

  • Urheber
    Das sind die Künstler die Werke schaffen (Autoren, Musiker, Maler, Fotografen …)
  • Verwertungsgesellschaften
    sind Vertreter der Künstler (oder sollten es sein), die mit der Verwertung der Rechte der Künstler von diesen beauftragt werden. Zumeist sind sie nicht profitorientiert (z.B. Genossenschaften)
  • Content-Industrie
    Stellt im Prinzip das Geld für die Produktion von Werken zur Verfügung und bekommt oft von den Künstlern im Gegenzug die Rechte an den Werken abgetreten
  • Publikum
    Wir (das gemeine Volk) das gerne Kunst konsumieren möchte

Die Interessenslage ist natürlich unterschiedlich:

  • Künstler
    würden gerne für ihr Schaffen vernünftig entlohnt werden.
  • Verwertungsgesellschaften
    sind bestrebt eine möglichst vernünftige Abgeltung für die Nutzung der Werke zu erhalten
  • Musikindustrie
    würde gerne die Investitionen in Künstler mit entsprechendem Profit zurückerhalten
  • Publikum
    Möchte gerne Kunst zu vernünftigen Konditionen konsumieren können und würde gerne Rechtssicherheit haben, um nicht ständig mit einem Fuß im Kriminal zu stehen.

Die Musikindustrie möchte zur Durchsetzung der Urheberrechte Zugriff auf die IP Adressen der Anwender erhalten, um Urheberrechtsverletzungen ahnden zu können.

Das hieße aber auch, dass bei konsequentem weiterdenken der Verkehr der Anwender gemonitored werden könnte, und dass Anwender dann natürlich fast automatisch bestraft werden könnten, wenn sie Urheberrechtsverletzungen (bewusst oder unbewusst) begehen. Eine solche unbewusste Urheberrechtsverletzung wäre z.b. wenn ein Vater seine Tochter filmt, wenn sie zu einem urhaberrechtlich geschützten Musikstück tanzt und dieses Video dann z.B. auf Youtube veröffentlicht.

Ich denke relativ unbestritten ist dass die Gesetze verbessert werden sollten, um kommerzielle Urheberrechtsverletzungen besser ahnden zu können. Beispielsweise habe ich kein Verständnis für Kim Dotcom. Er hat Millionen gescheffelt und die Urheber der Werke haben davon keinen Cent gesehen.

Anders denke ich ist es im privaten Rahmen. Möchten wir wirklich extreme Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte erlauben um die Rechtedurchsetzung in privaten Haushalten zu erlauben? Das Kopieren von Werken ist mittlerweile extrem einfach geworden. Die Bevölkerung hat auch kaum ein Unrechtsempfinden beim herunterladen von Musikstücken aus dem Netz.

Wie kann man diesen Gordischen Knoten lösen? Private Nutzer nicht zu ahnden und den Künstlern trotzdem eine gerechte Entlohnung für Ihre Werke zukommen lassen. Ein Lösungsansatz wäre eine Pauschalabgabe durch die die private Werknutzung abgegolten wird. Eine solche Abgabe würde das private tauschen von Werken aus der Illegalität holen und den Künstlern eine Entlohnung für Ihre Werke sichern. Offen bleibt sicherlich wie hoch eine solche Pauschale sein müsste – und auch wie die Aufteilung auf die Künstler fairerweise erfolgen sollte. Grundsätzlich wäre aber eine solche Abgabe eine Win/Win Situation für beide Seiten.

Grundsätzlich wäre also eine Pauschalabgabe eine durchaus vernünftige Sache für beide Seiten. Eine Festplattenabgabe ist aber keine Lösung. Denn die Festplattenabgabe ist nur eine Entschädigung für legale Kopien (mittlerweile ist kaum mehr etwas eine legale Privatkopie) – und zusätzlich ist die Festplattenabgabe schlecht für die Hardware Industrie und Handel (Wettbewerbsnachteil) und nicht sehr treffsicher. Zudem könnte sie durch Hardwarekäufe über ausländische Online Shops mehr als einfach umgangen werden (auch wenn das nicht legal ist).