e-Books und die Buchpreisbindung

Ich habe zu Weihnachten einen neuen Kindle Paperwhite vom Christkind bekommen. Ich freue mich sehr darüber. Der Kindle hat ein tolles Display, mit dem man ohne ermüden Bücher lesen kann – auch in der Sonne im Sommer. Das unterscheidet ihn von anderen Tablets. Es macht also sinn zusätzlich zu einem Tablet auch einen Kindle zu besitzen.

Leider gibt es in Österreich die Buchpreisbindung. Diese wurde geschaffen, damit auch kleine Büchereien neben den Großen Buchhandelsketten bestehen können. Ein Buch in der lokalen Bücherei in einem Dorf kostet also exakt gleich viel wie bei Thalia in Wien Mitte. Dies ist natürlich sehr sinnvoll gewesen. Die kleine Bücherei hat jedoch sicherlich nicht alle Bücher auf Lager die Thalia auf Lager hat. Daher musste auch sie das Buch bestellen und es dauerte dann 1-2 Tage bis man das Buch in Händen hält.

Dieses System verstehe ich – allerdings verstehe ich nicht mehr warum es dieses System bei e-Books gibt. Sowohl die kleine Buchhandlung wie auch Thalia haben in Zeiten des Internets das gleiche Problem. Man benötigt sie nicht mehr. Wenn ich mir im Internet ungefähr 10.000 mal so viele Bücher bestellen kann, wie Thalia auf Lager haben kann – und diese noch dazu sofort in Händen halten kann (weil sie nicht mehr gedruckt sind – sondern nur noch elektronisch vorhanden sind) – warum sollte ich mich dann ins Auto setzen, oder in die U-Bahn und zum Buchgeschäft gondeln?

Die Buchpreisbindung für deutschspachige Bücher gilt aber noch immer. Daher kostet ein deutschsprachiges e-Book bei Amazon genausoviel wie ein gedrucktes Buch in der kleinen Buchhandlung. Niemand wird ein e-Book in der kleinen Buchhaldung kaufen (können). Der Druck der Bücher fällt weg, die Logistik fällt weg (der Transport mit LKW’s, Lagerhaldung, etc.). Der Autor bekommt ebenfalls gleich viel für sein Buch – egal ob es elektronisch verkauft wird oder als physisches Buch. Also streicht die Differenz der Verlag ein.

Ich habe also beschossen auf meinem Kindle nur englischsprachige Bücher zu lesen. Dort kostet die Print Ausgabe 19 EUR. Die elektronische Ausgabe vom Gleichen Buch nur 5,90 EUR. Wie gesagt der Autor bekommt vom Verlag den gleichen Betrag. Also wieso sollte ich deutschsprachige Bücher kaufen? Mache ich sicher nicht mehr, bis die Buchpreisbindung in Österreich für e-Books aufgehoben wird.

ditech zieht bei Thalia ein

ditech hat unlängst einen neuen Store eröffnet. Das ist nicht ungewöhnlich. Auch nicht, dass er auf der Mariahilferstraße liegt. Ungewöhnlich ist aber, dass ditech quasi als Untermieter in einer Thalia Buchhandelsfiliale untergebracht ist.

ditech spricht darüber, dass man damit vorwiegend weibliche Kundschaft gewinnen möchte – da Buchgeschäfte offensichtlich mehrheitlich von weiblichem Klientel besucht werden.

Spannend ist aber, warum gerade Thalia sich einen Computerhändler ins Haus holt. Die Antwort liegt darin, dass Buchhandel heutzutage etwas ist, was nicht mehr unbedingt gebraucht wird. Es gibt zwei Trends. Der eine Trend ist Bücher übers Internet zu bestellen – z.b. über Amazon. Der zweite Trend ist Bücher in elektronischer Form zu lesen (s.g. E-Books) auch hier ist wiederum Amazon der Markführer. Medienberichten zufolge steuert Amazon darauf zu 50% des Buchmarktes in den USA bis ende 2012 zu kontrollieren.

Ich war unlängst in Seattle in einem großen Barnes & Nobles Buchgeschäft (in etwa vergleichbar mit Thalia bei uns). Was mir sofort aufgefallen ist – die Verkaufsfläche für Bücher war wesentlich kleiner geworden. Dafür waren neue Artikel dazugekommen. Der Bereich für Schreibwaren war um einiges größer, und es gab nun auch Spielzeuge im Buchgeschäft zu erwerben.

Warum ist dem so? Nun eine große Verkaufsfläche kostet Geld – wenn diese Verkaufsfläche noch dazu so prominent ist, wie auf der Mariahilferstraße – dann kostet sie viel Geld. Dieses Geld muss erst einmal verdient werden. Teure Verkaufsflächen und sinkende Umsätze im Buchhandel verlangen neue Ideen um Kundschaft ins Geschäft zu bringen. Andererseits wird ein Teil der teuren Kosten der Verkaufsfläche an den Untermieter ditech weitergegeben – so senkt Thalia die Kosten für den Standort.

Dies zeigt aus meiner Sicht sehr schön auf, wie der Buchhandel immer mehr unter Druck gerät. Und der Trend zu e-Books wird das verschwinden der traditionellen Buchhändler nur noch beschleunigen. Einzig die Buchpreisbindung auf e-Books die es anachronistischer weise noch in Österreich gibt, hilft diesen Trend noch zu verlangsamen. 

Die Gier von Amazon

Elektronische Medien haben ihre Vorzüge – und eBooks sind auch in bestimmten Bereichen etwas tolles. Aber … Warum soll ich zum gleichen Preis ein schlechteres Produkt kaufen?

Der Kindle eBook Reader ist wirklich genial. Er ist leicht, hat eine sehr lange Akkulaufzeit und die e-Ink (elektronische Tinte) genannte Technologie liest sich wirklich wie auf richtigem Papier und das Auge ermüdet dadurch nicht.

Amazon bietet natürlich auch eine reichliche Auswahl an e-Books für den Kindle an- die über den Amazon Shop bezogen werden können. Diese elektronischen Bücher werden von Amazon auch durch Rechte Management geschützt – damit man diese Bücher nicht unerlaubt an andere weitergeben kann. Ein Vorteil der Technologie ist es auch, dass man – sollte einem der Kindle abhanden kommen oder gestohlen werden, oder auch defekt werden – die Bücher jederzeit wieder (gratis) aus dem Online Store herunterladen kann. Das Buch ist an die UserID des Amazon Benutzers gebunden, ebenso wie das Kindle Gerät selber auch.

Es gibt aber auch wesentliche Nachteile: Die elektronischen Bücher kosten meist exakt gleich viel wie die Brüder und Schwestern aus Papier. Ich nehme einmal an, dass der Autor nicht mehr für ein elektronisches Buch bekommt. Die Produktion des Buches ist aber ungleich billiger. Ein elektronisches Buch wird nur einmal erzeugt (auch dieser Prozess ist nicht sehr aufwändig, denn das Buch liegt vom Autor heutzutage sicher schon in elektronischem Format vor – es muss lediglich in das E-Book Format konvertiert werden). Daher es entfällt das Papier, die Druckkosten. Auch die Distribution ist ungleich einfacher. Das Buch wird in den Webshop eingestellt – und der Konsument lädt es einfach über das Internet herunter. Es entfällt die Lagerfläche für die Bücher, der Versand etc. D.h. es ist sicher, dass Amazon wesentlich mehr an dem Buch verdient als an einem Papierbuch.

Ich habe aber als Konsument wesentliche Nachteile. Ein Papierbuch kann ich – wenn ich es gekauft habe – auch weitergeben. Das elektronische Buch kann zwar auch verliehen werden – aber nur für jeweils 14 Tage. Wenn jemand länger zum Lesen benötigt – hat er Pech gehabt (ich lese selbst meist wesentlich länger an einem Buch als 14 Tage – außer im Urlaub). Auch können mehrere Familienmitglieder auch sozusagen gleichzeitig an einem Buch lesen.

Das elektronische Buch hat also auch gravierende Nachteile. Die Ersparnis der elektronischen Publikation wird nicht an mich als Konsumenten weitergegeben, wohl werden aber durch das digitale Rechtemanagement Nachteile geschaffen, die mich als Konsumenten überlegen lassen, welche Buchform ich wähle. Da die Papierbücher einige Vorteile haben, das limitierte elektronische Buch, jedoch das durch die Kosten nicht wettmacht, denke ich werden sich doch auch viele in Zukunft für Papierbücher entscheiden.

Das ganze zeigt das Dilemma der digitalen Medienindustrie – oder Content Industrie wie sie genannt wird. Der Autor wird ausgenutzt, der Gewinn maximiert und eingestreift – und auf den Konsumenten und dessen Wünsche wird kaum eingegangen.