Gemalto und die Lehre daraus …

Die Art wie die Snowden Leaks hereintröpfeln ist genial. Hätte man die Leaks auf einmal publik gemacht, wäre einmal eine große Aufregung durch die Menge gegangen und am Tag danach wäre es wieder egal gewesen. Schon aufgrund der schieren Datenmenge wären viele Inhalt vermutlich untergangen.

Jetzt kommt Scheibchenweise herein, wie weitgehend die Geheimdienste unsere Kommunikation im Griff haben. Das neueste Scheibchen war die Ausspähung der Firma Gemalto (ein globaler Sicherheitsgigant, der nicht einmal mitbekommen hat, dass der Geheimdienst bei ihm ein und ausgeht. Und das seit Jahren.

Diese Erkenntnis ist ungefähr so wie wenn im realen Leben die Tore zu Fort Knox seit Jahren offen stehen und die Wachmannschaft nicht bemerkt dass alles gestohlen wurde – und ein leeres Fort bewacht wird.
Und so einem Unternehmen vertrauen andere Unternehmen und Regierungen um sich schützen zu lassen?

Gemalto ist nicht nur Hersteller von SIM Karten für Mobilfunk. Gemalto ist auch Hersteller von Sicherheitstechnik für Zahlungsverkehrssysteme, den Gesundheitssektor, u.v.a.m.

All diese Sicherheitstechnologie die Milliarden gekostet hat, ist plötzlich keinen Heller mehr wert. Der Geheimdienst prahlt auf den von Snowden veröffentlichten Slides, dass man das gesamte Netzwerk von Gemalto übernommen hat. Nichts von der Sicherheitstechnologie kann also mehr als sicher gelten.

Was man aber auch aus diesen Leaks – wie aus vielen vorangegangenen lernt ist. Verschlüsselungstechnologie an sich ist sicher. Sonst würden sich die Geheimdienste nicht die Arbeit machen die Schlüssel zu klauen – oder Hintertüren in Technologien einzubauen. Darum fürchten sich die Geheimdienste und Regierungen ja so sehr davor, dass mehr verschlüsselt wird. Wenn der Geheimdienst die Schüssel nicht geklaut hat, dann hat er schlechte Karten.

DiePresse: Der Überwachungsstaat, den wir wollten

Three_Surveillance_camerasAndreas Wetz (DiePresse) denkt darüber nach, ob wir durch unseren persönlichen Umgang mit Daten, nicht selbst daran Schuld sind, dass der Staat die Überwachung der Bürger immer weiter ausbaut.

Wir geben Freiwillig alle unsere Informationen preis, installieren Apps auf unseren Handys die dem Hersteller zu jeder Zeit verraten, wo wir sind – wir geben ihnen Zugriff auf unsere Kontaktdaten im Handy, auf Fotos, auf unsere gesamte Kommunikation – und dann wundern wir uns, dass unsere Politiker es für Selbstverständlich finden, die vorhandenen Daten auch zu nutzen?

Der Überwachungsstaat, den wir wollten (Die Presse)
ClubComputer.at Netzpolitik

#Privacy: STASI hätte an NSA ihre Freude gehabt

Ein Spannender Artikel über 2 ehemalige NSA Mitarbeiter die beim Chaos Computer Congress über Ihren ehemaligen Arbeitgeber und dessen Methoden im Umgang mit der eigenen Bevölkerung berichten.

Was das ganze noch bedenklicher macht, ist dass der Staat wie nie zuvor gegen diejenigen vorgeht, die über die Machenschaften des Staates und die auch in den USA illegalen Methoden berichten und diese anprangern.

DerStandard: Die Stasi hätte eine Freude an unserer Ausrüstung

ClubComputer Stammtisch Netzpolitik

Mir ist alles Wurscht?!

Diesen Eindruck gewinnt man derzeit, wenn man sich ansieht, welche Gesetze in den letzten Monaten und Jahren verabschiedet wurden, und die Reaktion des Volkes darauf. Im §1 der Österreichischen Bundesverfassung heißt es:

„Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus.“

Wenn man sich die Gesetze der letzten Zeit ansieht, dann muss man aufgrund dieses Absatzes den Eindruck gewinnen, dass die Österreicher gerne überwacht werden wollen. Dass wir gerne alle von unseren eigenen Politikern bzw. unserer Exekutive als Gauner, Betrüger und Terroristen verdächtigt werden.

In Österreich haben wir per 1.4.2012 die vollständige Überwachung des Internet Verkehrs eingeführt. Solche Maßnahmen kennt man bisher nur von totalitären Regimen. Ebenso wurden partiell die Richter ausgeschaltet, wenn es darum geht, solche Überwachungen anzuordnen. Die Exekutive kann also die Überwachung im Alleingang durchführen. Auch solches kennt man nur von Staaten, bei denen das Recht nicht vom Volk ausgeht. In England gibt es jetzt einen Gesetzesvorschlag der die Überwachung des Volkes nun auch in die analoge Welt ausdehnt. In U.K. will man nun auch die Versendung von Briefen überwachen. So etwas ist vielleicht in Nordkorea üblich – aber ist das einer Europäischen Demokratie würdig?

Ja, ist es – wenn es das Volk so haben will. Die Politiker die solche Gesetze beschließen sind auch in England vom Volk gewählt. In Österreich umso mehr. Ich nehme daher an, dass die Österreicher gerne überwacht werden – dass sie das neue Sicherheitspolizeigesetz für gut heißen. Ich nehme an, dass wir Österreicher die Vorratsdatenspeicherung und damit die Überwachung des Telekommunikationsverkehrs wie er in Nordkorea sicherlich gehandhabt wird, auch in Österreich haben wollen. Denn wenn dem nicht so wäre, müssen wir bereits tägliche Proteste auf der Straße haben. Wir wollen lieber in einem Regime leben dass sich wie die DDR anfühlt?

Oder ist es eher so, dass – solange es einen selber nicht trifft – es allen eigentlich egal ist. Nur nicht anstreifen – nur nicht aufregen. Solle es doch die anderen machen.

Dazu möchte ich noch ein Zitat bringen:

Wer in der Demokratie schläft – wird in der Diktatur aufwachen.

Weiterführende Informationen: